Warum Du Dich so sehr in Geduld üben musst

Ich habe nie Geduld gehabt, wenn es ums Abnehmen ging. Nie. Am liebsten wäre es mir immer gewesen, ich hätte mit einer Diät angefangen und in spätestens einer Woche wären die ganzen Kilos weg.

Alle auf einmal. Einfach so.

Ganz schnell bekommt man dann gesagt, man solle Geduld haben. „Denn schließlich hat man sich die Kilos ja auch nicht von heute auf morgen angefuttert. Also geht das in die andere Richtung auch nicht so schnell.“ Aber wer will das schon hören …

Früher ging ich dann in die Apotheke und hab wieder irgendwas Neues ausprobiert. Irgendwelche Shakes, irgendwelche Tabletten, und nichts hat auf Dauer geholfen.

Nun also ketogene Ernährung.

Auf den ersten Blick klingt das alles toll. Essen, wann man Hunger hat. Essen, bis man satt ist. Keine vorgegebene Anzahl an Mahlzeiten pro Tag. Lediglich die Lebensmittel sind eingeschränkt, pro Tag sollte man max. auf 30g Kohlenhydrate kommen. Man muss keine extra Shakes kaufen, sondern ganz normale Lebensmittel stehen auf dem Plan.

Das Anfangen ist auch recht einfach. Wenn man die ersten Tage und den zugehörigen Zuckerentzug erstmal überstanden hat, fühlt man sich euphorisch, hat Energie und keinen Heißhunger mehr. Scheinbar alles gut.

Schnelle Anfangserfolge

Da man nun kaum noch Kohlenhydrate zu sich nimmt, leeren sich die Glykogenspeicher (der Körper hat drei: Leber, Muskeln und das Blut). Das Ergebnis sieht man auf der Waage: man nimmt gleich zu Beginn ordentlich ab. Die Glykogenspeicher umfassen etwa 400g-600g Glykogen, und pro Gramm Glykogen speichert der Körper zusätzliche 3 Gramm Wasser, das jetzt ebenfalls mit ausgeschieden wird. Das bedeutet: nur durch das Leeren der Glykogenspeicher wiegt man schon mal ca. 1,6kg-2,4kg weniger.

Die Freude ist groß, man wünscht sich, dass es genau in dem Tempo weitergeht und man gaaaaaanz schnell schlank ist.

Und dann die Ernüchterung

Doch schnell wird man merken, dass die Geduld bei der ketogenen Ernährung auf eine harte Probe gestellt wird. Du hältst Dich schön Tag für Tag an alle Vorgaben, an die Kalorien, machst Sport, isst nur ordentliche Lebensmittel … und doch geht auf der Waage einfach nichts vorwärts. Für mehrere Monate. Obwohl Du Dich so toll fühlst in Ketose, Bäume ausreißen könntest und überhaupt sich das Leben einfach nur toll anfühlt. Die Waage ist einfach nicht Dein Freund.

Wie kann das sein?

Vorausgesetzt, Du ernährst Dich wirklich ketogen – nicht schummeln! – , isst das Richtige und Dein Körper ist in Ketose und im Fettverbrennungsmodus, so ist er doch in den ersten Monaten quasi noch in der Grundschule was Ketose angeht. (Du übrigens auch!)

Die wichtigsten Organe lernen sehr schnell, Ketonkörper zu nutzen. Doch die gesamten Stoffwechselprozesse auch mit Ketonkörpern wieder optimal so zu gestalten, dass auch eine Gewichtsabnahme drin ist, dafür benötigt unser Körper mehrere Monate.

Keto-Adaption

Diese Zeit der „Grundschule“ nennt man Keto-Adaptionsphase. Dein Körper hat in dieser Zeit schlichtweg wichtigere Dinge zu tun, als an Gewicht zu verlieren. Du wirst aber vermutlich bemerken, dass Dein Umfang schrumpft, auch wenn Du nicht leichter wirst. Dass sich Dein Hautbild bessert und vielleicht auch Dein Blutdruck. Dein Cholesterinwert kann erstmal etwas ansteigen, sinkt aber bald wieder.

Hormone und Stoffwechselvorgänge entwickeln sich auf ein normales Maß.

Dieser ganze Prozess kann bis zu einem Jahr dauern. Vielleicht wirst Du in diesem einen Jahr nichts abnehmen, zumindest nicht auf der Waage. Aber Du wirst sehr viel Lebensqualität dazu gewinnen.

Geduld wird belohnt. Wirklich!

Du wirst lernen, wie Dein Körper auf bestimmte Lebensmittel reagiert, was er mag und was er nicht mag. Du wirst lernen, wieder auf Dein Körpergefühl zu hören. Denn er wird sich ganz bestimmt bemerkbar machen, sobald ihm etwas nicht passt. Du wirst lernen, wie Du Deinen Körper bei diesem Mammutprogramm unterstützen kannst.

Und Du wirst lernen, dass es bei der ketogenen Ernährung nicht ums Abnehmen geht, sondern um die Regeneration des Körpers. Dein Gewicht ist eine Zahl, die Du Dir wünscht. Das Idealgewicht Deines Körpers aber kann (und wird vermutlich) ein ganz anderes sein.

Und wenn Du diese Geduld aufbringen kannst, wird Dich Dein Körper über kurz oder lang dafür belohnen. Mit Gesundheit, Fitness und bald auch mit einem sinkenden Gewicht auf Deiner Waage.

Wenn Du die bis dahin nicht schon entsorgt hast, und einfach auf Dein Körpergefühl hörst 🙂

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Karen Wiltner
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7 Gedanken zu „Warum Du Dich so sehr in Geduld üben musst

  1. Bettina sagt:

    Hallo Karen, ich gehöre auch zu den Ungeduldigen 🙈
    Grad im Moment habe ich sogar kapituliert 😔und esse LCHF… das ist etwas zwangloser, was das tracken angeht.

    Ich habe 8 Wochen „streng“ ketogen (20-30g KH) mit Anleitung (simply Keto u. Foodpunk Challenge) gegessen. Habe nur anfangs Wasser verloren und seitdem nichts mehr. Rundum haben alle die Kilos abgeworfen und sie strotzten vor Energie 🙄 das demotiviert (mich)!
    Meine Blutmesswerte kamen nie über 0,8 mmol und ein „Duracell Häschen“ wurde ich auch nicht …. demnach konnte ich kein „Mehrwert/besseres Gefühl“ empfinden, dass ich ein Motiv habe weiter zu machen..

    Jetzt nach dem toll geschriebenen Bericht frage ich mich, ob ich es nicht doch nochmal probieren soll🙈 Aber ich frage mich natürlich, ob es Menschen/Stoffwechsel gibt, für die die Ketose nicht passt 🤔

    Ich ziehe auf jeden Fall den „Hut“ vor Dir und wünsche weiter ganz viel Erfolg und Gesundheit ❤️

    LG Bettina

    • Karen W. sagt:

      Liebe Bettina,
      ja, es gibt Menschen, für die die Ketose nicht passt – vermutlich. So ganz sicher bin ich mir nicht, ob es nicht vielleicht nur eine Ausrede ist. Aber ich bin ja auch eine Wissenschaftlerin.
      0,8mmol ist doch gut, damit bist Du definitiv in der Ketose. Das ist kein Wettrennen um den besten Ketonwert. Drin ist drin, und das ist völlig ausreichend.
      Bei mir war es mit den Challenges übrigens ähnlich. Ich hab 2kg abgenommen und dann nichts mehr. Für mich war es meiner Meinung nach einfach zu wenig Essen. Sobald ich wieder angefangen hatte, meine normalen Mengen zu essen, hab ich auch wieder abgenommen. Vielleicht liegt es ja eher daran?
      Liebe Grüße, Karen

  2. Karin Leitsoni sagt:

    Hallo Karen!

    Ich hätte da mal eine kurze Frage: Wie sieht das denn aus, wenn man sich schon eine ganze weile Ketogen ernährt, und dann wieder mal KH ist, im Urlaub oder einfach weil man doch so gerne mal wieder eine Pizza essen möchte. Fängt der Körper dann wieder ganz von vorne an mit der Umstellung, oder merkt er sich die Prozesse??

    LG

    • Karen W. sagt:

      Hallo Karin,
      wenn man die Keto-Adaption einmal hinter sich gebracht hat, merkt sich der Körper die Prozesse. Allerdings dauert das so etwa 6-9 Monate, bei einigen sogar noch länger.
      Liebe Grüße, Karen

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