Wie Keto mir das Leben rettete [Gastbeitrag]

Colitis Ulcerosa – eine Krankheit, bei der viele noch nicht einmal wissen werden, dass es sie gibt, wenn man denn nicht selbst davon betroffen ist. Mir ging es ebenso.

Colitis ulcerosa ist eine chronische, meist in Schüben verlaufende Entzündung der Darmschleimhaut im Dickdarm. Durch die Entzündung nimmt die obere Schicht der Darmwand Schaden. Es entstehen geschwürartige Veränderungen, die Ulzerationen. Typische Symptome sind blutiger, schleimiger Durchfall und krampfartige Bauchschmerzen. (Quelle: onmeda.de)

Eine Krankheit, die von vielen nur belächelt wird. Betroffene erfahren in der Anonymität des Internets auf der Suche nach Unterstützung häufig Ablehnung, böse Worte und werden nicht selten auch Opfer von Cybermobbing. 

Nach meinem Blog-Artikel, in dem ich anbot, auch Eure Geschichten hier im Blog zu veröffentlichen, meldete sich auch eine junge Frau sehr vorsichtig bei mir. Sie hatte bereits viele schlechte Erfahrungen in anderen Foren gemacht, und konnte sich kaum vorstellen, dass ich ihre Geschichte wirklich in meinem Blog veröffentlichen könnte.

Natürlich tue ich das, es ist mir eine Ehre! Jede Geschichte ist es wert, erzählt zu werden.  Um anderen Mut zu machen, die vielleicht in ähnlicher Situation stecken, um zu zeigen, was möglich ist. Um zu sensibilisieren. 

Vielen Dank für Deinen Mut und Deine Offenheit! 

 

Wie Keto mir das Leben rettete

Ein anonymer Gastbeitrag.

Das klingt jetzt erstmal ziemlich drastisch – aber so ziemlich das war es auch.

Ein paar Eckdaten vorweg: Ich bin weiblich, 24, seit neuestem Auszubildende  – und habe Colitis Ulcerosa.

Ich weiß nicht wirklich, wie weit man das am besten auf einem Blog über Ernährung beschreiben kann, ohne dass danach tagelang keine Rezepte mehr angeklickt werden, also nennen wir es mal bei dem Fachbegriff:

Chronisch-entzündliche Darmerkrankung.

Unter dem Begriff wird man auch Morbus Crohn finden, doch die beiden Krankheiten unterscheiden sich noch durch einige Punkte, die ich aber nicht weiter ausführen werde, das wäre nicht zielführend. Tatsache ist, dass man mit so einer Colitis ziemlich unglücklich werden kann, denn neben unglaublich schmerzhaften Bauchkrämpfen kann man sich auch phasenweise nicht weiter als ein paar Meter von der nächstbesten Toilette entfernen.

Das klingt jetzt unangenehm, aber nicht lebensbedrohlich – doch genau das kann es auf Dauer werden, schneller als man denkt. Leider ist diese Krankheit erst mäßig gut erforscht und wer nicht auf die medikamentöse Therapie anspricht, dem wird kurzerhand das problematische Organstück einfach entfernt. Dass das nicht allzu wünschenswert und toll ist, kann man sich denken.

Zurück zu mir: Ich hatte schon immer ein kritisches Verhältnis zu Nahrung. Seitdem ich denken kann hat meine Mutter nonstop immer irgendeine Diät gemacht und mich dann auch sehr früh ermutigt, mitzumachen. Dazu wurde ich noch in der Schule gemobbt, dementsprechend definierte ich mich bald schon viel zu sehr über mein Aussehen und speziell die Zahl auf der Waage. Ab und an rutschte ich durchaus in magersüchtige Verhaltensweisen ab.

Trotzdem kam ich irgendwie durchs Leben, machte mein Abi mit 19 und war überglücklich, als ich den Studienplatz meiner Träume bekam! Leider wurde dieser Triumph davon überschattet, dass es mir schon länger nicht gut ging. Zuerst dachte ich an einen besonders hartnäckigen Virus, doch dann kam schließlich die Diagnose: Colitis Ulcerosa.

Mir wurde versichert, dass es nicht so schlimm wäre, ein großer Prozentsatz aller Betroffenen hat nach dem ersten Schub nie wieder Probleme damit. Ich bekam ein paar Medikamente und wurde wieder nach Hause geschickt. Ich machte ganz normal weiter, zog um in die Stadt meiner Universität. Leider wurde ich immer kränker: Ich weiß noch, wie wir Ikea-Möbel in meiner neuen Wohnung aufbauten und ich in die Jacke meines Vaters gewickelt zitternd da saß, kaum die leichtesten Bretter anzuheben vermochte.

Ich ging zu einem Spezialisten und wieder wurde mir gesagt: Das wird schon, wir müssen nur den ersten Schub besiegen. Ich bekam neue Medikamente – und Diätanweisungen. Ich sollte mich High Carb Low Fat ernähren, im Schub nach Möglichkeit alle Ballaststoffe vermeiden. Und das tat ich auch.

Es endete damit, dass mein damaliger fester Freund meinen Vater anrief und ihm sagte, er müsste mich ins Krankenhaus bringen. Mein geplagter Körper wollte nicht einmal mehr Wasser bei sich behalten und als mein Vater mich nach ewiger Fahrt ins Auto lud, war ich so schwach, dass ich kaum mehr selbst gehen konnte.

Im Krankenhaus in Heimatnähe wurde ich direkt an einen Tropf gehängt und man erzählte mir, ich hätte im aktuellen Zustand die nächsten 10 Stunden nicht überlebt. Das war natürlich ein absoluter Schock – doch es hörte nicht auf, denn angesichts der Schwere meines Krankheitsschubs begann man, mich über Folgen, Risiken und Komplikationen aufzuklären.  Plötzlich fürchtete ich den Verlust von Organstücken, mir wurde vor Augen gehalten, dass ich vielleicht nie wie eine normale Frau würde leben können.

Mithilfe von hoch dosiertem Kortison, einigen Hilfsmitteln und viel Ruhe schaffte man es dann aber doch, den Schub im Krankenhaus zu beenden. Ich hatte die ersten Wochen meines Studiums verpasst, aber ich durfte NORMAL leben!

Es folgte allerdings direkt der nächste Schlag: Mein fester Freund beendete die Beziehung, weil meine Krankheit ihn ekelte. Im Nachhinein kein Verlust, zeigt es doch, wie oberflächlich unsere Beziehung war. Dennoch war ich erst einmal am Boden zerstört.

Trotzdem stürzte ich mich in mein Studium – doch es dauerte nicht lange, da kam trotz Kortison und vorbeugender Medikamente der zweite Schub. Ich gehörte also nicht zu dem glücklichen Prozentsatz, der sich nie wieder damit herumplagen muss, ich würde immer wieder damit zu tun haben.

Wieder versuchte ich, die medikamentöse Therapie so gut wie möglich mit meiner Ernährung zu unterstützen: Das letzte Mal hatte ich unglaublich viel Gewicht verloren, also aß ich diesmal massenweise Süßkram, denn der war ja fettarm, zucker- und kalorienhaltig und enthielt keine Ballaststoffe.

Als Ergebnis landete ich wieder im Krankenhaus. Es gab ein neues Medikament, ein paar Wochen Ruhe und wieder war es ausgestanden. Doch ihr könnt es euch denken: Die Situation wiederholte sich ein weiteres Mal. Jetzt hatte ich aber alle harmloseren Medikamente schon durch, ab jetzt ging es an die harten Sachen, sprich, ich bekam ab jetzt Infusionen. Die halfen auch erst einmal wunderbar und es störte mich nicht einmal, dass ich alle paar Wochen für eine Stunde an einen Tropf gehängt wurde, denn ich  bin zum Glück recht gleichgültig gegenüber Nadeln, meinem eigenen Blut und dergleichen.

Ich blieb diesmal lange schubfrei, konnte endlich aktiv in meinem Studium teilnehmen.  Allerdings rückte jetzt wieder ein anderes Problem in den Mittelpunkt: Durch das Kortison hatte ich ein paar Kilo zugenommen und denen sollte es jetzt an den Kragen gehen!

Ich stieß auf Low Carb und war recht glücklich damit, verlor Gewicht – und merkte, dass ich mich deutlich besser fühlte. Meine Infusion half zwar sehr, doch so ruhig und flach war mein Bauch seit Jahren nicht gewesen! Auch andere Probleme wie die Konzentrationsstörungen und Hungergefühle, die mich den gesamten Vormittag quälten, egal wie viel ich gefrühstückt hatte, besserten sich – und verschwanden schließlich gänzlich, als ich anfing, mit Keto zu experimentieren..

Leider hielt das Glück nicht ewig: Langsam schlichen sich die Nebenwirkungen meines Medikaments ein und ich bekam zunehmend heftigere Probleme. Gleichzeitig wirkte mein Medikament immer schlechter und ich merkte, dass es mir immer, wenn ich von meiner neuen Ernährungsform abwich, schlechter und schlechter ging. Am Ende rutschte ich, sobald ich länger aus der Ketose war, in einen neuen Schub – und dazu fielen mir von den Nebenwirkungen die Haare in Büscheln aus, zusätzlich zu vielen anderen Problemen.

Zum Glück habe ich einen sehr modernen Arzt, der mich ermutigte, nicht direkt auf ein neues Medikament umzusteigen, sondern erst einmal zu gucken, was denn passiert, wenn ich mein aktuelles absetze, dafür meine Ernährung strikter beibehalte. Und das tat ich: Wenige Wochen nach Wirkungsablauf merkte ich die ersten Veränderungen und bald ging es mir viel besser!  Trotzdem hatte ich große Angst, vielleicht doch wieder in einen Schub zu rutschen. Und irgendwann passierte das auch – doch es war nicht schlimm.

An der Stelle, an der mein Körper zuvor immer völlig aufgab und nur noch ein Krankenhausbesuch helfen konnte, konnte ich das Problem mit besonders strikter Ernährung und der Hilfe einiger natürlicher Mittelchen wie Aloe Vera Saft, Heilerde und Co innerhalb kurzer Zeit stoppen.

Seitdem hatte ich immer mal wieder einen Schub, meist kleinere. Ich habe eine feste Routine dafür, die mich gut und schnell hindurch bringt, meist bin ich innerhalb einer Woche wieder so gut wie gesund. Außerdem habe ich mir angewöhnt, mich in dieser Zeit zusätzlich ohne Milchprodukte zu ernähren.

Gerade habe ich wieder eine große Lebensumstellung wie damals hinter mir: Ich habe mein Studium abgebrochen und eine Ausbildung angefangen. Und wieder hat mein Körper mit einem heftigen Schub reagiert, wie ich ihn seit damals nicht hatte.

Deshalb schreibe ich diesen Artikel: Ich erinnere mich noch gut, wie verzweifelt und verängstigt ich war, wie ich mich nicht mehr traute zu essen, weil alles es nur schlimmer machte und niemand mir sagen konnte, was ich vielleicht ausprobieren könnte. Jetzt war nach einem Wochenende das schlimmste vorbei, ich habe kaum Gewicht verloren. 

Niemals hätte ich gedacht, dass ich ein paar Jahre später während eines Schubes massenweise Geflügel mit Butter und viel, viel Salz in mich hineinstopfen würde – ich habe innerhalb von 4 Tagen fast ein ganzes Stück Butter verbraucht! Wenn ich das meiner Krankenschwester von damals erzählen würde, würde sie vermutlich in Ohnmacht fallen.

Und das ist der Punkt: Wäre ich nicht auf so vielen Umwegen zu Keto gekommen, weiß ich nicht, ob ich noch im vollständigen Besitz meiner Organe wäre.

Viele sehen so eine Einschränkung der Ernährung als Verlust von Lebensqualität – aber ich sehe sie als großen Gewinn!

Interessiert?

Schicke mir bitte Deine Geschichte per Mail an blog@living-keto.de – oder kontaktiere mich auch gerne erst einmal auf Facebook! Hilf mit Deiner Geschichte und Deinen Gedanken anderen, damit sie sich mit ihren Problemen nicht so alleine fühlen – so wie es Dir vielleicht ging, als Du meine Geschichte gelesen hast. Hilf auch anderen, denn das Lesen von anderen Geschichten motiviert ungemein. 

Danke!  

Ich freue mich sehr, Deine Geschichte veröffentlichen zu dürfen!  

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Ein Gedanke zu „Wie Keto mir das Leben rettete [Gastbeitrag]

  1. Christin Wenzel (via Facebook) sagt:

    Wow! Ich wünsche dir, liebe unbekannte, alles erdenklich gute für deine Ausbildung und drücke dir die Daumen dass du die Krankheit weiterhin so im Griff behältst dass Du dein Leben weiter glücklich führen kannst. Hut ab! Danke für diesen Beitrag. Sehr interessant, wenn auch furchtbar zugleich.

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