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Die Wissenschaft hinter der Ketose: Wie unser Körper in den Fettverbrennungsmodus schaltet

  • Beitrag zuletzt geändert am:16. März 2025
  • Beitrags-Kommentare:8 Kommentare
  • Lesedauer:13 min Lesezeit

Die ketogene Ernährung hat in den letzten Jahren an Popularität gewonnen, und das nicht ohne Grund. Ihre Fähigkeit, den Körper in den Zustand der Ketose zu versetzen, ist einer der Hauptgründe für ihre Wirksamkeit. Aber was genau ist Ketose, und warum ist sie so besonders? Lass uns gemeinsam tief in die Wissenschaft der Ketose eintauchen.

Was ist Ketose?

Ketose ist ein natürlicher Stoffwechselzustand, in dem der Körper Fett anstelle von Kohlenhydraten als primäre Energiequelle nutzt. Normalerweise deckt unser Körper seinen Energiebedarf aus Glukose, die er aus Kohlenhydraten gewinnt. Doch wenn Kohlenhydrate fehlen, schaltet der Körper nach einer Übergangszeit um und beginnt, das Fett in der Nahrung in Ketonkörper umzuwandeln – kleine Moleküle, die als alternativer Treibstoff dienen. Und diese sind dann auch in der Lage, das Fett in den Fettzellen umzuwandeln – allerdings nur, wenn der Insulinspiegel konstant niedrig ist.

Stell Dir Deinen Körper wie ein Hybridauto vor: Der Zuckerstoffwechsel ist wie der „Benzinmodus“ – einfach, schnell und bekannt. Der Fettstoffwechsel, auch die Ketose, ist im Gegensatz zum „Elektromodus“ – effizienter und nachhaltiger, aber das System muss erst lernen, diesen Modus zu nutzen.

Ketose bei Fasten vs. Ketogener Ernährung

1. Ketose durch Fasten

Wenn Du am Fasten bist, schaltet der Körper nach 12-24 Stunden Kohlenhydratentzug in die Ketose um. Der Glykogenspeicher – die „Zuckerreserve“ – ist dann leer. Ohne Nachschub aus der Nahrung beginnt der Körper automatisch, Fettreserven anzuzapfen. Das Fasten kann auch als „Notfallmodus“ betrachtet werden, in dem der Körper seine Energiebereitstellung auf das Nötigste optimiert.

2. Ketose durch ketogene Ernährung

Bei der ketogenen Ernährung erreichst Du einen ähnlichen Zustand, jedoch ohne (vollständiges) Fasten. Hier führst Du dem Körper gezielt Fette zu, während Du die Kohlenhydrate wesentlich reduzierst. Dein Körper bleibt dadurch dauerhaft in einem Fettverbrennungsmodus, was nachhaltige Energie liefert und den Heißhunger reduziert. Die ketogene Ernährung ist wie das bewusste Umschalten in den „Elektromodus“, während das Fasten den Körper eher „zwingt“, umzuschalten.

Unterschied in der Nachhaltigkeit

Fasten-Ketose ist oft nur vorübergehend, da der Körper nach einer Fastenperiode wieder auf Glukose zurückgreift, sobald Kohlenhydrate zugeführt werden. Bei der ketogenen Ernährung bleibt der Körper langfristig in der Ketose – eine Art „neues Betriebssystem“.

Warum dauert die Umstellung so lange?

Der Zuckerstoffwechsel ist für den Körper die bequemste und schnellste Energiequelle – vergleichbar mit einem Auto, das jahrelang nur Benzin getankt hat. Der Fettstoffwechsel erfordert jedoch eine komplette Umstellung, bei der der Körper „neu lernen“ muss, wie er Energie effizient aus Fett gewinnt.

3 Gründe für die lange Umstellung:

  1. Leerer Glykogenspeicher: Erst wenn die Zuckerreserven aufgebraucht sind, beginnt der Körper, Fettreserven zu nutzen. Dieser Prozess dauert in der Regel 2-4 Tage.
  2. Enzymproduktion: Der Körper muss die Enzyme, die für die Fettverbrennung und Ketonproduktion erforderlich sind, erst wieder aktivieren und in ausreichender Menge herstellen. Das kann mehrere Wochen dauern.
  3. Effizienzsteigerung: In den ersten Tagen arbeitet der Körper noch ineffizient, da er sich noch nicht an Ketone als primäre Energiequelle gewöhnt hat. Das erklärt die „Keto-Grippe“ mit Symptomen wie Müdigkeit und Kopfschmerzen. Auch der Prozess der Effizienzsteigerung kann mehrere Woche dauern.

Die Umstellung ist wie das Training für einen Marathon: Dein Körper war bisher auf Sprintdistanzen ausgelegt (Glukose), doch jetzt soll er auf Langstrecke (Fett) umstellen. Anfangs fühlt es sich schwer und ungewohnt an, doch mit Geduld und Ausdauer läuft es immer besser.

Die Rolle der Proteine ​​bei der Ketose

Eiweiß spielt eine zentrale Rolle in der ketogenen Ernährung, aber seine Menge muss sorgfältig überwacht werden. Es ist wichtig, genügend Protein zu konsumieren, um den Muskelerhalt und andere lebenswichtige Funktionen zu unterstützen. Gleichzeitig darf die Zufuhr nicht zu hoch sein, da überschüssiges Eiweiß durch Gluconeogenese in Glukose umgewandelt werden kann. Dies könnte den Zustand der Ketose stören.

Die goldene Mitte:

  • Zu wenig Eiweiß: Führt zum Muskelabbau und kann langfristig schwächen. Außerdem führt zu wenig Eiweiß oft zu Heißhunger.
  • Zu viel Eiweiß: Kann den Körper aus der Ketose werfen, da Glukose wieder als Energiequelle genutzt wird.

Praktische Tipps:

  • Qualität statt Quantität: Bevorzuge hochwertige Eiweißquellen wie Eier, fetten Fisch und Fleisch.
  • Moderate Eiweißmenge: Halte dich an die Richtlinie, etwa 20-25 % Ihrer täglichen Kalorienzufuhr aus Protein zu beziehen.

In meinem Kalorienrechner im Blog verwende ich für die Berechnung der Eiweißmenge den Faktor 1, also 100% des aktuellen Körpergewichts in Gramm. Diese Menge ist für die meisten Menschen ausreichend, um den Muskelerhalt zu gewährleisten. Möchtest du Muskeln aufbauen, ist eine größere Menge an Eiweiß notwendig.

Besondere Fälle:

  • Menschen mit Erkrankungen wie Lipödem : Sie müssen oft weniger Eiweiß zu sich nehmen, da ein zu hoher Proteinkonsum bei ihnen den Zustand der Ketose stören könnte.
  • Individuelle Anpassung: Die optimale Menge ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich und muss durch Beobachtung und Anpassung individuell herausgefunden werden.

Eiweiß ist wie das „Baumaterial“ für Deinen Körper. Es sorgt für Stabilität und Reparatur, während Fett der „Brennstoff“ ist, der die Maschine antreibt. Zu viel Baumaterial kann jedoch das Gleichgewicht stören, und zu wenig lässt die Struktur bröckeln.

Die Rolle der Ketonkörper

Ketonkörper sind die „Superkraft“ der Ketose. Sie entstehen in der Leber, wenn Fettsäuren aus der Nahrung abgebaut werden, und versorgen vor allem das Gehirn effizient mit Energie. Anders als Glukose erzeugen Ketonkörper kaum Abfallprodukte, was den Körper entlastet.

Entstehung der Ketonkörper:

In der Leber werden Fettsäuren in Acetyl-CoA umgewandelt. Bei Kohlenhydratmangel kondensieren zwei Acetyl-CoA-Moleküle zu Acetoacetat, welches dann zu Beta-Hydroxybutyrat (BHB) oder Aceton weiterverarbeitet wird.

Funktionen der Ketonkörper:

  • Energieversorgung: Ketonkörper dienen als stabile und effiziente Energiequelle für Gehirn, Muskeln und Herz.
  • Signalwirkung: Sie beeinflussen die Genexpression, hemmen Entzündungen und fördern Zellreparaturen.
  • Neuroprotektive Effekte: Ketonkörper schützen Nervenzellen und fördern die Bildung neuer Synapsen.

Die Bedeutung von Fett in der ketogenen Ernährung:

Damit Ketonkörper in ausreichender Menge produziert werden können, ist es wichtig, dass Du genug Fett zu Dir nimmst, damit dies in der Leber abgebaut werden kann. Fett ist der primäre Energielieferant in der Ketose und ersetzt Kohlenhydrate als Hauptbrennstoff.

Was passiert, wenn Du zu wenig Fett isst?

  • Wenn sowohl Kohlenhydrate als auch Fett in der Ernährung fehlen und die Proteinmenge niedrig bleibt, kann der Körper in einen Zustand der Energieunterversorgung geraten.
  • Folgen:
    • Der Stoffwechsel verlangsamt sich, da der Körper auf „Sparflamme“ schaltet.
    • Der Körper greift verstärkt auf Muskelmasse zurück, um Energie zu gewinnen, was langfristig zu Muskelabbau führen kann.
    • Es können Symptome wie Müdigkeit, Konzentrationsprobleme und Heißhungerattacken auftreten.
    • Der Körper könnte Schwierigkeiten haben, ausreichend Ketonkörper zu produzieren, was die Vorteile der Ketose mindert.

Nur wenn du Fett isst, das in der Leber zu Ketonkörpern umgewandelt werden kann, (und gleichzeitig wenig Kohlenhydrate) ist es für den Körper auch möglich, das gespeicherte Fett in den Fettzellen herauszuholen und zu verbrennen. Dieser Prozess erfordert viel zusätzliche Energie, weswegen es oft nicht hilfreich ist, die Kalorienmenge mit Keto drastisch zu reduzieren.

Wie viel Fett ist genug?

  • Bei der ketogenen Ernährung sollten etwa 70-80 % der Kalorien aus Fett stammen. Bevorzugt hochwertige Quellen wie Avocados, Olivenöl, Kokosöl, Nüsse, Samen und fettreichen Fisch.
  • Ein ausreichender Fettkonsum sorgt dafür, dass Dein Körper in der Ketose bleibt und Du Dich energiegeladen und leistungsfähig fühlst.

Fett ist der Treibstoff, der das Feuer der Ketose am Brennen hält. Ohne genügend Holz (Fett) kann das Feuer nicht lodern, und Dein Körper beginnt, die letzten Reservequellen zu verbrennen – Muskeln und lebenswichtige Ressourcen.

Metabolische Flexibilität: Der Schlüssel zur Gesundheit

Was ist metabolische Flexibilität?

Sie beschreibt die Fähigkeit des Körpers, nahtlos zwischen Energiequellen wie Glukose und Fett zu wechseln. Ein metabolisch flexibler Körper kann sowohl bei Kohlenhydratverfügbarkeit als auch in der Ketose effiziente Energie bereitstellen. Dieser Zustand stellt sich nach meiner Erfahrung nach etwa 6-9 Monaten ein.

Die Kombination aus Ketose und metabolischer Flexibilität macht Deinen Stoffwechsel anpassungsfähig, stabil und widerstandsfähig – ideal für ein gesundes Leben.

Wie siehst du das? Teile Deine Erfahrungen in den Kommentaren!

Alles Liebe, Karen

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Karen Wiltner
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Dieser Beitrag hat 8 Kommentare

  1. Krümelkekskoch

    Liebe Karen, nein, ich habe keinen Blog, und wie gesagt, ich habe auch keine Ambitionen, ein Buch zu schreiben. Ich hatte vor knapp sieben Jahren mal die Idee, mir eine Webpräsenz aufzubauen (vielleicht auch mal später als Blog), aber kaum dass ich die ersten Inhalte dort hinterlegt hatte, gab es schon den ersten heftigen Gegenwind. Das war eigentlich nicht meine Absicht gewesen, hier irgendwelche Grabenkämpfe auszufechten. Naja, und kurz danach hatte ich mir dann Mersch und Peters angetan und begriffen, dass ich das gesamte Konzept von Grund auf überarbeiten musste. Aber wenn es schon mit den alten Inhalten so schwierig war, welche Chancen hätte ich dann gehabt, das neu erworbene Wissen an den Mann zu bringen? Ich hatte probeweise einige von den Büchern an mir nahestehende Leute verschenkt, bei denen ich das Vertrauen hatte, dass sie sich mit der Materie wenigstens mal auseinandersetzen, dass man eine Diskussionsgrundlage hat. Die Resonanz war niederschmetternd, zum Teil hatten sie die Bücher nicht mal ausgepackt. Im Grunde hatte mich die ganze Aktion nur Geld und Lebenszeit gekostet und niemandem irgendeinen Vorteil gebracht. Also habe ich mich dafür entschieden, mit anderen Blogs, deren Betreiber offenbar ein etwas glücklicheres Händchen haben, eine Symbiose zu pflegen und dort ein paar mehr oder weniger geistreiche Kommentare zu hinterlassen. Und wie ich an den Antworten der Blogbetreiber sehen kann, scheint das die beste Lösung zu sein.

    Da bin ich auch lange nicht der erste, der auf diesen Drücker gekommen ist. Ich war 1988 dabei, als die Blüherwiese zur Cockerwiese umgetauft wurde. Eine Riesenmucke, 130.000 Zuschauer (ein Viertel von Dresden!) und eine Bombenstimmung. Und eine der letzten Gelegenheiten, den Meister live zu erleben. Denn ein paar Jahre später hieß es, dass er nur noch Konzerte in kleinem Kreis mit maximal 200 Zuschauern gibt. Sicherlich wollte er sich den Stress mit diesen Monstermucken nicht mehr antun, aber ich denke, dass ihm die viel intensivere Interaktion mit seinem Publikum sicherlich noch wichtiger war. Eine Botschaft lässt sich 200 Leuten viel eher vermitteln als 130.000, und da muss man seine Reichweite eben einschränken, das ist der Preis dafür. Wie gesagt, ich kann damit gut leben, ich brauche niemandem mehr irgendwas zu verkaufen.

    Schau mal, der Peters hat sein halbes Leben in die Hirnforschung gesteckt, hat die Zusammenhänge zwischen existenzieller Unsicherheit, toxischem Dauerstress, verändertem Stoffwechsel und letztendlich den gefürchteten Zivilisationskrankheiten aus den verschiedensten physikalischen, chemischen und biologischen Perspektiven beleuchtet und bis ins letzte Atom aufgedröselt. Und er hat drei hervorragende Bücher darüber geschrieben, die keine Fragen mehr offen lassen sollten. Und gestern lese ich beim Strunz einen Artikel über die Ursachen von Diabetes, und da steht – na was wohl: dass das Übergewicht die zentrale Rolle spielt und dass man dem Übel nur beikommen kann mit gesünderer Ernährung und mehr Bewegung (nein, Spaziergang mit Hund war nicht gemeint). Und zur Absicherung gab’s wie üblich noch ein paar Studien dazu. Willkommen im Jahr 1980!

    Ehrlich gesagt, ich habe kaum noch Hoffnung, dass ich noch erlebe, dass sich da grundlegend was ändert. Die evidenzbasierte Forschung ist so festgefahren, dass du mit alternativen Erkenntnissen nicht mal mehr einen Kratzer in diesen Monolithen schlagen kannst. Da wird zum Beispiel immer noch lautstark für die ach so gesunden mehrfach ungesättigten Fettsäuren getrommelt, obwohl jeder aus dem Chemieunterricht noch wissen sollte, dass gerade diese aufgrund ihrer P-Bindungen besonders anfällig für Oxidation und Bildung Freier Radikale sind, und es sogar Studien gibt, die nachgewiesen haben, dass diese Fettsäuren unser LDL oxidieren und dieses oxLDL unser Immunsystem massiv schädigt und das Krebsrisiko drastisch erhöht (https://www.strunz.com/news/weitere-gefahren-von-oxldl.html). Und natürlich wieder das gesunde Gemüse, unhinterfragt als universeller Heilsbringer angepriesen. Wie steht’s denn mit den Fraßgiften, mit denen die Pflanzen, die ja keine Krallen haben und auch nicht weglaufen können, ihr Überleben sichern (Grundlagen der Evolutionsbiologie)? Ja, die zerschießen auch unser Verdauungssystem, denn wir Menschen gehören nun mal zu den Fressfeinden, vor denen sich die Pflanzen schützen müssen. Und die DGE schießt dann noch den Vogel ab, indem sie tatsächlich empfiehlt, dass 60 Prozent der Energiezufuhr durch Getreideprodukte erfolgen sollen (zum Glück regt sich da schon erheblicher Widerstand). Und das, zusammen mit dem propagierten Fleischverzicht, im Interesse des Klimas – da frage ich mich ernsthaft, für welchen Schwachsinn der Klimawandel noch alles herhalten soll.

    Es ist leider eine Tatsache, dass du auf der großen Bühne keine Chance hast, irgendwelche alternativen Botschaften rüberzubringen. Die haben ein ganzes System mit diversen Institutionen aufgebaut und überall ihre Lobbys platziert, die machen dich platt, bevor du den Mund aufmachen kannst. Nein, die brauchen gar nicht mehr zu argumentieren, die schmeißen dich einfach mit Studien zu, da kommst du nicht gegen an (was die meisten dieser Studien taugen, ist nochmal ein Thema für sich). Oder sie sagen, fein hast du das gesagt, und lassen’s zum anderen Ohr wieder raus. Ehrlich gesagt, ich bin es müde, immer wieder gegen diese Mauern der Ignoranz anzurennen. Das einzige, was wir tun können, ist, mit einem kleinen Kreis von interessierten Menschen darüber zu sprechen und zu hoffen, dass sie ein offenes Ohr dafür haben. Und die, die es nicht haben und lieber dem Onkel in der Glotze glauben, als ihr eigenes Gehirn zu benutzen, sollten wir unter dem Motto ablegen: Die musst du lassen, die wollen das so.

    Ja, ich weiß, das gehört jetzt nicht unbedingt hierher, aber vielleicht trägt es ein wenig zum besseren Verständnis bei, wenn der Krümelkekskoch mal wieder eine seiner steilen Thesen bringt.

    LG – der Krümelkekskoch

    1. Karen Wiltner

      Lieber Krümelkekskoch,
      was Du über den Gegenwind und die Herausforderungen bei der Vermittlung Deiner Inhalte schreibst, kommt mir bekannt vor. Ich habe das ja selbst mit diesem Blog hier einige Male erlebt.
      Gerade, wenn es um alternative Ansätze geht, stößt man oft auf Unverständnis. Als ich 2016 das erste Mal darüber schrieb, dass man das Lipödem mit Keto und vielen anderen Dingen (z.B. Steinklee) gut unterstützen kann, war der Aufschrei groß. Heute ist das schon Normalität geworden.
      Aber ich glaube fest daran, dass jeder Schritt, den wir gehen – selbst wenn er uns zunächst nur Rückschläge zu bringen scheint – uns dennoch wachsen lässt. Und vor allem, dass wir etwas Gutes für die Welt tun können.

      Alles Liebe,
      Karen

      1. Krümelkekskoch

        Liebe Karen, du hast eine sehr sympathische Art, deine Mitmenschen zum Nachdenken einzuladen, und ich nehme diese Einladung gerne an.

        Ja, diese kognitiven Verzerrungen spielen uns manchmal einen bösen Streich. Wenn du zum Beispiel auf der Autobahn fährst, hast du da nicht auch manchmal das Gefühl, dass dort ausschließlich Trödler und Raser unterwegs sind? Nun, das liegt daran, dass der Abstand der vielen Verkehrsteilnehmer, die anständig fahren, zu dir sich nur wenig oder gar nicht ändert und du sie deshalb, wenn überhaupt, nur selten zu Gesicht bekommst. Gar nicht so einfach, sich das immer wieder vor Augen zu halten. Aber nur so lässt sich das richtig einordnen, wenn mal wieder eine kleine schreiende Minderheit, die sich sonstwie wichtig nimmt, die große schweigende Mehrheit überbrüllt, die einfach nur ihren Job macht. Manchmal bewundere ich schon, wie souverän du mit solchen Sachen umgehst. Ja, du hast recht, wir können die anderen Menschen nicht ändern, wir können uns über sie aufregen oder es lassen, der Effekt ist der gleiche. Ändern können sie sich nur von sich aus; wir können ihnen Hilfe anbieten, aber sie sind nicht verpflichtet, sie anzunehmen.

        An die Sache mit dem Steinklee kann ich mich noch dunkel erinnern. Wir haben uns an den Grabenkämpfen nicht beteiligt, sondern es einfach mal ausprobiert. Meine Frau nimmt es nun schon seit einiger Zeit und hat der Natur schon mehrere Zentimeter abgerungen. Angesichts der Erklärung ihrer Ärztin: „Das wird nicht weniger, das wird nur mehr“ doch schon ein beachtlicher Erfolg, zumal bei konstantem Körpergewicht. Naja, dafür haben wir Männer halt den Bierbauch, selbst wenn wir gar kein Bier trinken, und da hilft auch kein Steinklee. Die Natur treibt schon sonderbare Spielchen mit uns Menschen, aber so wird es wenigstens nicht langweilig. 😉

        Btw.: Habe gerade gesehen, dass ich wohl einmal den Link „Antworten“ übersehen und ein ziemliches Durcheinander angerichtet habe. Sorry, lässt sich das noch in Ordnung bringen?

        LG – der Krümelkekskoch

      2. Karen Wiltner

        Lieber Krümelkekskoch,
        vielen Dank für deinen herzlichen Kommentar! Dein Autobahn-Beispiel bringt es perfekt auf den Punkt – unsere Wahrnehmung fokussiert oft nur auf das Auffällige.
        Dass der Steinklee bei euch so gute Ergebnisse zeigt, freut mich besonders! Es ist toll, wenn man den Mut hat, Dinge selbst auszuprobieren.
        Keine Sorge wegen des „Antworten“-Links, ich schaue mir das an, aber ich glaube ich kann es nicht ändern.
        Danke für deinen Beitrag und deinen Humor – er bringt frischen Wind in den Blog! 🙂
        Alles Liebe,
        Karen

  2. Krümelkekskoch

    Liebe Karen, wunderbar herausgearbeitet, Chapeau! Gerade die zentrale Rolle des „bösen“ Fetts als wichtigsten und wertvollsten Energielieferanten kann man gar nicht genug betonen. Deshalb ist es ja gerade so wichtig, seine Fettangst zu überwinden und ein eventuelles Energiedefizit in der Nahrung beherzt mit Fett aufzufüllen, z.B. die Steaks in ordentlich Fett anzubraten oder den Blumenkohl mit richtig viel Butter zu veredeln. Es kommt schließlich nicht darauf an, möglichst kein Fett in die Speicher hineinzulassen, sondern darauf, so viel wie möglich dort herauszubekommen. Und da braucht man sich um das Fett in seiner Nahrung nun wirklich keine Sorgen zu machen.

    Aber lass mich noch drei Dinge etwas nachschärfen, die nach meinem Dafürhalten ebenfalls enorm wichtig sind:

    Die Ketonkörper werden ausschließlich fürs Gehirn produziert, weil die Fettsäuren im Originalzustand nicht durch die Blut-Hirn-Schranke kommen. Da werden also, mal ganz einfach ausgedrückt, die bereits kleingehäckselten Fettsäuren, die ja bereits die C=O-Gruppe enthalten, zu Ketonen zusammengebastelt, und dann passen die Dinger da durch und liefern dem Gehirn brav ihre Energie ab. Wenn wir also den Zucker aus der Nahrung herausnehmen, dann hat der Körper überhaupt kein Problem damit, erst auf die Nahrungsfette und danach auf das Körperfett zuzugreifen, denn in der Zwischenzeit ist ja das Insulin, das die Fettzellen von innen zunagelt, versiegt. Nur im Gehirn ist das nicht ganz so einfach, da braucht es ein Enzym, um die Ketolyse (also die Energiegewinnung aus den Ketonkörpern) in Gang zu setzen. Und wenn das Gehirn jahrzehntelang mit Zucker gefüttert wurde, ist dieser Mechanismus „eingestaubt“ und muss erst wieder regeneriert werden, und das kann mitunter eine Woche oder sogar länger dauern. Während dieser Zeit leidet das Gehirn vorübergehend an Energiemangel und wehrt sich mit Stresshormonen, die die Glukoneogenese in Gang setzen. Und diese wiederum ist einer der Gründe, warum wir in der ersten Zeit nach der Umstellung so rapide abnehmen: Muskeln, Gelenke und Bindegewebe haben nun mal viel weniger Energie als Fett, und wenn die abgebaut werden, weil ihnen das Gehirn mit seinen Stresshormonen die Proteine absaugt und verzuckert, dann ist der Gewichtsverlust eben viel größer als bei Fett. Und der andere Grund ist, dass Zucker im Gegensatz zu Fett Wasser als Lösungsmittel braucht, und wenn die Kohlenhydratspeicher leer sind, dann wird das nicht mehr benötigte Wasser ausgeschieden (das können durchaus drei bis vier Kilo werden). Hört sich erst mal nicht so gut an, aber sobald die Ketogrippe überstanden ist, weil das Gehirn gelernt hat, seinen Energiebedarf mit Ketonkörpern zu decken, hat sich der Raubbau erledigt, und dann geht es buchstäblich ran an den Speck.

    Und da haben wir gleich das Zweite: Mittlerweile wird die Eiweißrestriktion bei der ketogenen Ernährung immer mehr hinterfragt, und das ist gut so. Denn zum einen ist es gerade in der ersten Zeit unglaublich wichtig, den Verdauungstrakt reichlich mit Proteinen zu füllen, damit sich das hungrige Gehirn nicht an den Körpereiweißen vergreift, und zum anderen braucht man auch keine Angst davor zu haben, dass einen die böse Glukoneogenese aus der Ketose schmeißt. Die Glukoneogenese ist nämlich ein unglaublich ineffizienter Vorgang (da werden sechs Moleküle ATP verheizt, um ein Molekül Glukose herzustellen), der nur dazu dient, das Gehirn aus seiner Notlage zu befreien, und danach sofort beendet wird. Es wird also weder die Ketose ruiniert noch irgendwelches Fett gespeichert. Und wie gesagt, den restlichen Körper geht das gar nichts an, der hat ja immer noch Zugriff auf seine Fettzellen.

    Und so sollte man das auch mit dem Fasten sehen: Das, was man heute als „Notfallmodus“ (oder mitunter sogar als „Alarmstufe Rot“) bezeichnet, war in 99 Prozent der Menschheitsgeschichte, in denen es weder Kühlschränke noch Supermärkte, ja, nicht einmal den Ackerbau als zuverlässige Nahrungsquelle gab, der Normalzustand zwischen zwei Momenten des Jagdglücks. Da hatte man sich also zuerst an seiner Jagdbeute satt gegessen, und danach wurde die in den Fettzellen gespeicherte Energie peu à peu zum Weiterleben genutzt, mitunter auch über mehrere Tage hinweg, in denen man sich ja trotzdem um seine Nahrungsbeschaffung kümmern musste. Und dieser Mechanismus funktioniert auch heute noch genau so, allerdings unter zwei Bedingungen: dass das Gehirn noch (oder wieder) im „Originalzustand“ ist, also die Ketolyse funktioniert, und dass uns der allgegenwärtige Dauerstress, den es ja damals noch nicht gab, nicht die Energiebalance zwischen Gehirn und Körper aushebelt und das gestresste Gehirn wieder in den Notbetrieb gehen und zur Glukoneogenese greifen muss. Denn ohne ketolysefähiges Gehirn hat man tatsächlich die A***karte, denn dann übernimmt nach drei bis vier Stunden, wenn der Zucker aufgebraucht ist, der Autopilot, der dich zielgerichtet zum Kühlschrank führt (da hat der Zuckerjunkie jede Nacht sein Intermittierendes Fasten, nur dass bei ihm bis zu 500 Gramm proteinhaltige Körpermasse abgebaut wird, was der Mediziner und Buchautor Wolfgang Lutz („Leben ohne Brot“) treffend als „Eiweißopfer“ bezeichnet hatte). Und wenn man sich von Montag bis Freitag täglich mit dem Auto durch den Berufsverkehr quält, den ganzen Tag im Büro am Bildschirm klebt und dann noch 24/7 mit allen möglichen Sorgen und existenziellen Unsicherheiten eingedeckt ist, dann kann es auch für das fitteste Gehirn zu viel werden, und dann muss der Booster ran in Form von Glukose, und da kann man sich aussuchen, ob man diese extern zuführt und die ganze liebevoll gepflegte Ketose im Eimer ist – oder zulässt, dass die Körperproteine geplündert werden (nebenbei bemerkt, gibt es Leute, denen diese Auswahl nicht zur Verfügung steht, deren Körperproteine in jedem Fall angezapft werden, das sind die drahtigen Managertypen, die mit fünfzig am Herzinfarkt sterben; freuen wir uns also, wenn wir noch beide Optionen haben).

    Nun, in meinem vorigen Kommentar habe ich ja schon ein paar Möglichkeiten offeriert, wie man zumindest im Privatleben sein Stresslevel wieder auf ein verträgliches Maß reduzieren kann. Wenn man seine Achtsamkeit trainiert, sein Selbstwertgefühl wieder in Ordnung bringt, sich von Energieräubern befreit und seinen Tag nach seinen eigenen Prioritäten strukturiert (also auf der Welle reitet, anstatt ihr hinterherzurennen), dann sollte das auch mit der Ketose und dem Fasten kein Problem mehr sein. Immerhin ist das Intermittierende Fasten neben seinen oft beschriebenen immensen gesundheitlichen Vorteilen die einzige (zumindest mir bekannte) Möglichkeit, eine nachhaltige(!) negative Energiebilanz zu erreichen (also tatsächlich die Fettzellen zu plündern), ohne sich dem Stress des Hungerns aussetzen zu müssen.

    LG – der Krümelkekskoch

    1. Karen Wiltner

      Lieber Krümelkekskoch,

      wow, ich bin wirklich beeindruckt, wie viel Zeit und Wissen du in deine Kommentare hier investierst – das ist absolut bemerkenswert, und ich schätze das sehr! Deine Ergänzungen sind nicht nur extrem fundiert, sondern auch wunderbar verständlich erklärt. Vielleicht sollten wir zusammen mal ein Buch schreiben 🙂
      Dein Hinweis auf die Rolle der Ketonkörper fürs Gehirn und die eingestaubten Mechanismen der Ketolyse ergänze das nochmal sehr gut. Du bringst damit so anschaulich auf den Punkt, warum die Anfangszeit der ketogenen Ernährung Geduld und Nährstoffunterstützung braucht – ein Thema, das vielen hilft, die Ketogrippe besser zu verstehen. Dazu gibt es auch später nochmal einen Beitrag.
      Auch deinen Punkt zur Eiweißrestriktion finde ich sehr wertvoll! Es ist toll, wie du erklärst, dass Proteine in der Anfangsphase sogar entscheidend sind, um dem Körper Stabilität zu geben. Ja, es gibt da sehr unterschiedliche Standpunkte. In der Keto-Szene scheiden sich am Thema Eiweiß scheinbar immer wieder die Geister. Aber ich bin ja eh der Meinung, dass jede/r hier für sich selbst den richtigen Weg finden muss. Und dafür ist es wichtig, die Hintergründe zu kennen.
      Und deine Gedanken zum Fasten und Stress könnten nicht treffender sein. Besonders das Bild vom „Notfallmodus“ als ursprünglichem Normalzustand finde ich sehr einleuchtend. Der Zusammenhang zwischen Stress, Energiebalance und Ernährung wird so oft unterschätzt – danke, dass du darauf so ausführlich eingegangen bist.
      Ich freue mich sehr, dass dir der Artikel gefallen hat, und bin gespannt auf weitere so inspirierende Diskussionen mit dir! 😊

      Alles Liebe,
      Karen

      1. Krümelkekskoch

        Liebe Karen, ja, die Idee mit dem Buch hatte ich auch schon mal. Aber dann habe ich mich gefragt, was könnte ich den Menschen, die ihr Geld für so ein Buch hergeben sollen, an Wissen dafür bieten, das sie nicht schon in tausenden anderen Büchern finden können? Und ehrlich gesagt, ich weiß bis heute keine Antwort darauf. Die Welt ist voll mit Geschrei, jeder will gehört werden, und irgendwann geht einem das nur noch auf die Nerven. Da finde ich es doch viel entspannter und auch persönlicher, wenn ich zu einem Blogartikel, der mich inspiriert, meinen Senf dazugeben darf. Und wenn ich dann auch noch so eine tolle Rückmeldung bekomme, dass meine Botschaft angekommen ist, dann fühle ich mich wie der Gärtner, der ein Samenkorn in die Erde steckt und sich ein Loch in den *** freut, wenn daraus eine wunderschöne Blume wächst.

        Ja, ich habe alle drei Bücher von Achim Peters gelesen, und ich war danach ein anderer Mensch (dem mit Schrecken bewusst geworden ist, wie die Waage sein bisheriges Leben beherrscht hat und wie die Gesellschaft auch heute noch die Menschen mit ihrem Schlankheitswahn terrorisiert). Dank Peters kenne ich jetzt die Zusammenhänge zwischen toxischem Dauerstress einerseits und dem „Metabolischen Syndrom“ andererseits bis ins letzte Detail und weiß nun auch, dass „Übergewicht“ weder eine Krankheit noch die Ursache von anderen Krankheiten ist, sondern eine ganz normale Anpassung an den erhöhten Energiebedarf des Gehirns infolge des Dauerstresses, und dass der Diabetes nicht vom „Übergewicht“ kommt, sondern, genau wie dieses, vom Dauerstress (es gibt nämlich, was gerne unter den Teppich gekehrt wird, auch genug gertenschlanke Typ-2-Diabetiker, aber wenn du einen „Fachmann“ danach fragst, geht das Geeier los). Aber diese Bücher haben auch tausende andere gelesen (inwieweit sie sie verstanden haben, kann ich nicht beurteilen), deshalb halte ich mich nicht für besonders schlau. Und ich habe Peter Mersch gelesen und von ihm gelernt, dass Diabetes und Herzinfarkt auch unter Dauerstress kein unabwendbares Schicksal sind, sondern ganz einfach vermieden werden können, indem man seinem Gehirn die Ketolyse wieder beibringt. Und so enthüllt sich das Geheimnis, warum es z.B. auf Okinawa, wo sich die Menschen zu 85 Prozent von Kohlenhydraten ernähren, trotzdem die meisten Hundertjährigen auf der Welt gibt: Die Katastrophe tritt nur dann ein, wenn Dauerstress und Kohlenhydrate zusammenkommen, wie es in unserem verpeilten Mitteleuropa der Fall ist. Dieser Schluss ist so einfach, dass ich mir nicht vorstellen kann, dass noch keiner vor mir darauf gekommen sein soll. Also wozu dann noch ein Buch schreiben? Veredeln wir doch lieber deinen Blog damit, ich denke, da haben wir alle mehr davon.

        Falls du die Sache aber anders siehst (meine Meinung muss ja nicht die richtige sein) und so ein Buch schreiben möchtest, wäre ich natürlich gerne bereit, dich bei Bedarf mit dem, was ich gelernt habe, tatkräftig zu unterstützen. Ich hatte es ja schon mal erwähnt: Dein psychologischer und mein naturwissenschaftlicher Ansatz ergänzen sich hervorragend, und genau das macht deine Artikel für mich so inspirierend, dass die Tasten beim Lesen schon fast von alleine zu klappern anfangen.

        LG – der Krümelkekskoch

      2. Karen Wiltner

        Lieber Krümelkekskoch,
        ich muss sagen, dein Kommentar hat mich echt berührt. Du schreibst mit so viel Herzblut und Wissen, dass ich manchmal denke: Du solltest wirklich selbst ein Buch oder einen Blog schreiben! (Oder hast Du einen Blog?)
        Dein Vergleich mit dem Gärtner, der sich über eine Blume freut, passt perfekt – genau das ist es, was für mich diesen Austausch so besonders macht. Du bringst Gedanken ein, die meinen Blog wirklich bereichern, und dafür bin ich dir unglaublich dankbar.
        Was du über Achim Peters, Dauerstress und die Kombi mit Kohlenhydraten schreibst, ist so treffend. Es gibt immer noch so viele Missverständnisse zu Übergewicht und Stoffwechsel, und deine Art, das alles rüberzubringen, regt wirklich zum Nachdenken an.
        Genau solche Perspektiven wie deine machen den Unterschied. Vielleicht machen wir das irgendwann, aber bis dahin freue ich mich einfach riesig, wenn du weiter deinen „Senf“ zu meinen Artikeln gibst. 😊 Danke, dass du dir die Zeit dafür nimmst – das ist ein echtes Geschenk!

        Alles Liebe,
        Karen