Die vermaledeite Selbstwahrnehmung [Gastbeitrag]

Ein Gastbeitrag von Cindy Dürrschmidt

Liebe Cindy, ich danke Dir von Herzen für diesen wundervollen Artikel, und dass Du uns einen Einblick in Deine Gedanken gewährst. Sicherlich geht es ganz vielen Frauen da draußen so, auch mir. Ich habe ja selbst schon in meinem Artikel 44kg weniger – Wie schlank ich mich selbst sehe darüber geschrieben, dass man sich selbst nie so sieht, wie man eigentlich ist. Sondern viel kritischer. 


Ich & Ich, eine niemals endende, zum Mäuse melkende Hass-Liebe.

Mein Resümee zur vermaledeiten Selbstwahrnehmung.

Schon oft hatte ich Situationen, in denen ich andere Menschen sehr ratlos anblickte. Alle vier Wochen zum Beispiel, wenn meine beste Freundin mich besucht und mich fragt ob ich abgenommen hätte. Meine Standardantwort darauf ist eigentlich immer „Nö, ich glaub ich hab eher zugenommen“.

Meine Waage ist da eher parteilos, mal gibt sie meiner besten Freundin Recht, mal mir. Aber nun mal ehrlich. Warum sehen andere Menschen in mir oder an mir Dinge, die für mich schlichtweg nicht da sind? Ehrlich, ich hab nachgeschaut. Ich find sie nicht.

Grundsätzlich finde ich es extrem schwierig. Manchmal hab ich das Gefühl, mein Kopf und meine Psyche haben meinen Abnehmprozess verschlafen.

Der Blick in den Spiegel

Ab und zu schaue ich in den Spiegel und denke mir „Holla die Waldfee, du hast jetzt eine tolle Figur!“. Am nächsten Tag, wenn ich vorm Spiegel steh denk ich  mir „da geht noch was und da muss noch was weg“.  Ich bekomme häufig Komplimente weil ich so viel abgenommen habe und nun so toll aussehen würde. Aber irgendwie kann ich mit diesen Komplimenten nicht umgehen, da ich sie nicht so empfinde. Nun, warum ist das so?

Um hierauf eine Antwort zu finden, starteten Ich & Ich nach längerer Diskussion einen Selbstversuch.  Als erstes begann ich zu googeln nach Selbstwahrnehmung.  

Selbst- und Fremdwahrnehmung

Selbstwahrnehmung definiert sich so: „Die Selbstwahrnehmung ist die Basis, für die Selbstbewertung, die Selbsteinschätzung und für ein gesundes Selbstbewusstsein. Unter Selbstwahrnehmung versteht man die Fähigkeit, seine eigenen Gefühle, Emotionen, Eigenschaften und die persönliche Ausstrahlung wahrzunehmen und richtig einzuschätzen.“ (Quelle)

Parallel dazu gibt es ja noch die Fremdwahrnehmung: „Fremdwahrnehmung umfasst, wie andere uns sehen. So zeigen wir uns anderen durch unsere sprachlichen Äußerungen, unser Verhalten und unsere Körpersprache. Andere stricken sich daraus ein Bild von uns. Sie sehen uns durch ihre persönliche Brille.“ (Quelle)

Daraus ergibt sich dann unser Selbstbild: „Nach dem Verständnis der Psychologie wird unser Selbstbild aus der Summe der Selbstwahrnehmungen und Fremdwahrnehmungen geformt.“ (Quelle)

Soweit so gut! Mein Inneres Ich lacht sich grad halb kaputt, weil es scherzte: „Nun hat der Spruch: Ich, Du & die anderen endlich mal eine passende Bedeutung.“

Nun ich denke da ist was dran. Also versuchte ich weiter, das alles irgendwie zu verstehen, denn warum sehe ich selbst meist etwas völlig anderes als andere? Warum unterscheidet sich das so sehr?

Was sehen andere in mir?

Erstmal wollte ich rausfinden, was sehen andere denn an mir, was ich vielleicht nicht sehe. So kam für mich die Stunde der Wahrheit. Ich stellte mich in Unterwäsche vor den Spiegel und betrachtete mich ganz genau und ganz ausführlich. Irgendwie war uns da ganz unbehaglich, denn was wir dort sahen gefiel dem Team Ich & Ich nicht sonderlich.

Meine halbnackte Wahrheit sieht so aus: Ich sehe eine kleine, mollige Frau. Mit wackeligen Oberschenkeln, mit unschönen Dellen an Oberschenkeln und Po, gegen die jede Orange noch richtig straff aussieht. Ich sehe einen hängenden Bauch mit Schwangerschaftsstreifen. Ganz tolle furchtbar nervende Wackeloberärmchen. Augenringe, die jedem Waschbären bald Konkurrenz machen können und dann sind da auch noch unschöne Pickelchen. Aber ich sehe auch tolle Augen und meine geliebten pink gefärbten Haare (wobei die auch mal dringend nachgefärbt gehören!).

Ein Selbstversuch

Nun, ich sah ein, so kam ich nicht weiter. Also durchforstete ich mal meine Kontakte und suchte ein paar raus, denen ich wirklich vertraute. Ich schrieb ihnen sehr offen und ehrlich, dass ich mich mit Selbstwahrnehmung und Fremdwahrnehmung auseinandersetzte und dass sie mir unheimlich helfen würden, wenn sie mir einfach mal eine kurze Einschätzung schicken könnten wie sie mich sehen.

Die erste Antwort kam kurz und bündig von meinem geliebten Partner:

„Ich steh auf deinen knackigen Hintern!“

(Ich schwöre, ich liebe diesen Mann, und ich hab mich über seine Antwort, so oberflächlich sie sein mag, sehr gefreut.)

 

Meine Mutter antwortete nur:

„Spinnst du jetzt, alles in Ordnung bei dir?

(Am Rande liebe Mama, ja es ist alles ok.)

 

Meine beste Freundin brachte mich fast zum Weinen:

„Du wirkst viel jünger seit du abgenommen hast, du strahlst Energie und Lebensfreude aus. Du bist selbstbewusst und siehst wunderschön aus. Dein Hintern ist so schön rund und voll. Du hast tolle weibliche Kurven.“

(Meinem lieben Mann sei gesagt: irgendwann heirate ich diese Frau, die macht bessere Komplimente 😀 )

 

Grundsätzlich waren die Antworten so positiv, so liebevoll! Alle erwähnten, wie viel besser ich aussehen würde, wie sehr ich mein Selbstbewusstsein jetzt ausstrahlen würde.

Aber ganz oft fühle ich mich einfach gar nicht selbstbewusst. Für den Moment stellte ich mich nochmal gestärkt von all den aufbauenden Antworten meiner liebsten Menschen vor den Spiegel. Und ich dachte mir, dass ich vielleicht zu hart zu mir selber bin. So klein bin ich mit meinen 1,67 cm ja nun auch nicht. Das mein Bauch, die Oberschenkel und die Arme etwas hängende Haut haben ist eigentlich ein Zeichen meines Erfolges. Denn irgendwo sind die 30kg Übergewicht ja auch mal gewesen. Und die Schwangerschaftsstreifen sollten mich nun wirklich nicht stören. Denn ich weiß, die hat mein kleiner wundervoller Engel verursacht. Und wenn ich meinen heute fast 6-jährigen so anschaue, dann würde ich diese Streifen sogar um ein vielfaches mehr in Kauf nehmen. Denn mein Sohn ist das wert!  

Nun fiel doch das Urteil schon liebevoller aus!

Unsere kleinen „Makel“

Ich bin ja kein Einzelfall. Studien besagen, dass nur 4% aller Frauen weltweit sich selbst als schön bezeichnen. Alle anderen haben etwas an sich auszusetzen: zu dick, zu dünn, zu klein, zu groß, zu wenig Busen, zu viel Busen, zu dünnes Haar, zu dickes Haar, zu kleine Augen… Ihr seht, wo das hinführt?

Wir selbst empfinden diese „Makel“ als erdrückend oder belastend. Jedoch nimmt unsere Umwelt sie gar nicht so wahr. Und wenn doch, dann nicht so schwerwiegend wie wir selbst.

Es ist ja kein Geheimnis, dass gerade Frauen selbstkritischer mit sich selbst sind. Wir beurteilen zu kritisch und zu negativ. Eine Studie der University of Glasgow von 2001 zeigt, dass Frauen ein 10mal häufiger gestörtes Selbstbild haben als Männer. Woher das kommt dürfte nun auch kein großes Rätsel sein. Medien beeinflussen unser Schönheitsideal erheblich –  dass hier Photoshop Models von Leinwänden und Hochglanzmagazinen strahlen, ist dabei völlig egal. Unser Gehirn weiß, so sehen auch diese Damen in der Realität nicht aus, unser Herz hat aber beschlossen das wir auch so aussehen wollen. Ist das nicht verrückt?! Ja, das ist es! Wir sind Individuen!

Wenn Komplimente nicht zum Selbstbild passen

Wir selbst haben unser Urteil über uns aber schon lange gefällt und führen insgeheim eine Bestandsliste unseres Aussehens. Sollte dann doch mal jemand daher kommen und ein Kompliment machen, prallt es von uns ab. Denn es passt nicht zu unserem Selbstbild! Aber warum sind wir so? Warum nicht mal überdenken, ob wir vielleicht falsch liegen? Ob wir nicht vielleicht zu hart zu uns sind?

Therapeutin Eva Fischer erklärt dazu folgendes:

Frauen können zu einem positiverem Selbstbild finden, wenn sie Bewusstseinsarbeit leisten und sich immer wieder verdeutlichen, dass ein Ideal nicht die Realität ist. Und es sollte nun wirklich niemandes Ziel sein, sich an etwas zu messen, dass nicht real ist!
Wenn man aufhört sich selbst mit anderen zu vergleichen, kann man sich auf sein Körpergefühl und das eigene Urteil verlassen. Man kann sich stattdessen die Frage stellen was man an sich selbst besonders schön findet. Im Grunde ist unser Körper doch ein Geschenk und wir müssen nur lernen, diese Schönheit zu erkennen.
Wir sollten auch öfter auf die Meinung unserer Männer hören. Die meisten Frauen können es gar nicht glauben, wenn man sie schön oder sexy findet. Wir sollten wirklich nicht nur auf die eigene kritische Stimme hören, sondern jemandem glauben dem wir vertrauen. Und diese Person auch ernst nehmen. Denn warum sollte meine Wahrnehmung richtiger Sein als die meines Mannes?

Wisst ihr was, auf diese Frau trink ich heute Abend ganz entspannt einen! Nun, Spaß beiseite, es stimmt was sie sagt, wir sind so hart zu uns selbst! Mal ehrlich. Glaubt ihr, ich hätte das, was ich oben über mich selbst geschrieben habe, zu meiner besten Freundin gesagt? Nein, niemals! Da kommt natürlich die Frage auf, warum sage ich solch gemeine Sachen zu mir selbst, aber ich würde sie niemals zu anderen sagen?  Genau, weil ich mit mir selber kritischer bin! Nicht mit anderen.

Ein niemals endender Lernprozess

Und genau das werde ich in Zukunft lassen. Ich habe mir die liebevollen Antworten sehr zu Herzen genommen. Teilweise konnte ich sogar erkennen, was andere in mir sehen. Ich war bislang einfach zu hart zu mir selber. Ich habe so viel erreicht. Ich habe mich komplett verändert. Meine Ausstrahlung, mein Aussehen und auch ein Stück weit mein Inneres. Aber es ist nun mal ein niemals endender Lernprozess. Und genau dem werde ich mich jetzt stellen, ich möchte lernen netter und liebevoller zu mir zu sein. Ich möchte zu mir sein, wie ich zu anderen bin. Verständnisvoll, hilfsbereit und zuverlässig!

Ich kann euch nur raten, versucht meinen Selbstversuch auch. Glaubt mir, eine handvoll Vertrauten reicht. Ihr werdet überrascht sein über das, was ihr da lest. Nehmt euch diese Antworten zu Herzen! Und druckt sie euch aus, hängt sie gut sichtbar auf. Sie werden euch unheimlich stärken! Lasst euch nicht von Medien leiten! Nehmt eure liebsten Menschen als Beispiele!

Ich & Ich sind jetzt gerade auf jeden Fall mal einer Meinung. Wir haben uns lieb und sind stolz auf uns! So gestärkt freue ich mich jetzt auf den nächsten Besuch meiner besten Freundin, denn diesmal kann ich wirklich voller Selbstvertrauen antworten : „Ja ganze 5 Kilo!“

Seid lieb zu euch! Ihr seid toll und wunderschön!  

Grüße Ich & Ich


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2 Gedanken zu „Die vermaledeite Selbstwahrnehmung [Gastbeitrag]

  1. Petra Wallraf sagt:

    Liebe Cindy ,
    herzlichen Danke für Deine Geschichte die wunderbar geschrieben ist . Beim lesen über Selbstwahrnehmung liefen mir die Tränen . Du hast ja so den Nagel auf den Kopf getroffen .

    Liebe Grüsse Petra

    • Cindy sagt:

      Liebe Petra. Danke für deine Worte. Ja es ist eigentlich ein viel größeres Thema als es in den paar Wörtern zusammen gefasst ist. Aber die Botschaft bleibt immer die selbe. Liebevoller zu sich selbst zu sein. 😘

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