Lipödeme – und nun?

Ich weiß noch, als ich vor drei Jahren beim Arzt saß und der mir sagte, ich hätte Lipödeme. Geglaubt hab ich das in diesem Moment nicht.

Das kann ja schließlich nicht sein, hatte ich doch erst kurz vorher 45kg abgenommen. Klar, ich hatte sie auch sofort wieder drauf. Aber trotzdem. Die Diagnose hieße ja, ich würde nie wieder abnehmen können! Nee, das geht so gar nicht, das wollte ich nicht hören.

Lymphödem, ja das hätte ich mir ja noch vorstellen können, da kann man was dagegen machen. Aber bitte nicht Lipödem.

Ich hatte damals nur oberflächlich gegoogelt und gelesen, dass es eine Fettverteilungsstörung wäre. Mehr nicht. Dass es eine Krankheit ist, bis dahin kam ich beim Lesen gar nicht.

Das Bewusstsein dafür entwickelte sich erst im vergangenen Jahr, als ich überhaupt erstmal anfing, wieder über mich nachzudenken.

Was also ist das, dieses Lipödem?

Das Lipödem (von altgriech. „Fettschwellung“, aus λίπος lípos „Fett“ und οἴδημα, oídēma, „Schwellung“; in der Umgangssprache fälschlich auch als “Reithosenfettsucht”, “Reiterhosensyndrom” oder “Säulenbein” bezeichnet) ist eine voranschreitende Erkrankung. Sie ist gekennzeichnet durch die atypische, symmetrische Häufung von Fettgewebe seitlich an den Hüften und Oberschenkeln und kann aus der Lipohypertrophie hervorgehen. Weiterhin können die Oberarme und im späteren Verlauf auch die Unterschenkel, Unterarme und der Nacken betroffen sein. (Quelle: Wikipedia)

Okay, das mit den Reiterhosen hatte ich schon einmal gehört. Passt auch gut zu meinem Körperbau. Meine Jeans waren schon immer an den Oberschenkeln arg eng, während der Bund in der Taille immer zu weit war. Das ist schon schwierig, ordentliche Hosen zu finden!

Also eine Erkrankung, eine Störung in der Fettverteilung. Betroffen sind fast immer Frauen, entweder mit Beginn der Pubertät oder in Zusammenhang mit einer Schwangerschaft. Zu allem Unglück ist das Ganze auch noch vererbbar – natürlich bekommen es aber nur die Mädchen.

Ein weiteres Merkmal für Lipödeme sind Blutergüsse, von denen man nie weiß, wo sie herkommen. Davon hatte ich ganz viele. Große, blaue Flecken und ich hatte keine Ahnung, wo ich mich nun schon wieder gestoßen hatte.

Aber das Schlimmste sind wohl die Wassereinlagerungen, insbesondere an den Knöcheln, denn die tun mal so richtig weh. Ganz besonders schlimm ist es, wenn man sich lange nicht bewegt hat, nach langem Sitzen oder Stehen. Also zum Beispiel im Sommer am Strand … nicht viel Bewegung, viel Entspannung, und schon sind die Beine dick. Na super.

Lipödeme sind keine Folge von Übergewicht.

Das Lipödem ist NICHT die Folge von Übergewicht – das ist wichtig zu wissen. Ich dachte ja immer, ich würde das mit den Diäten einfach nicht gut genug auf die Reihe bekommen, und deswegen wäre das alles so. Falsch gedacht: Lipödeme sind eine Krankheit und haben mit dem Übergewicht erstmal nichts zu tun. Gut, Übergewicht macht das jetzt auch nicht besser, aber das ist nicht der Auslöser.

Das heißt: Ich bin nicht Schuld. Und Du auch nicht.

Schade, dass manche Mediziner das noch nicht wissen. Als ich fragte, was ich denn jetzt gegen das Lipödem tun kann, bekam ich die übliche Antwort: „Ausgewogene, gesunde Ernährung und damit abnehmen.“ Toll.

Mögliche Therapieformen

Es sind zwei Therapieformen bekannt: die Lymphdrainage und die Liposuktion.

Die Lymphdrainage wird 2-3mal wöchentlich durchgeführt und immer mit einer Kompressionstherapie unterstützt. Durch die Drainagen und Strümpfe wird versucht, dass Fettgewebe quasi auszupressen und damit eine Besserung herbeizuführen. Das Lipödem wird dadurch nicht verschwinden. Es wächst ständig nach und wird also lebenslang behandelt werden müssen. Die Krankenkassen übernehmen die Kosten hierfür normalerweise.

Die operative Therapie ist die sogenannte Liposuktion, die operative Entfernung der erkrankten Fettzellen. Die Liposuktion wird üblicherweise nicht durch die Krankenkassen übernommen – es können also schnell mal Kosten in Höhe eines fünfstelligen Eurobetrags entstehen. Kommt für mich nicht in Frage.

Eine Lymphdrainage hatte ich bisher noch nie – mein Arzt meinte ja erstmal, ich solle abnehmen. Was ja aber zu dem damaligen Zeitpunkt nicht funktionierte, egal was ich an Diäten probierte.

Lipödeme und Bewegung

Okay, also die Wassereinlagerungen kommen z.B. daher, dass beim Transport des Blutes durch die Venen Richtung Herz  ca. 10% der „Flüssigkeit“ auf diesem Wege verloren gehen. Das Lymphsystem ist nun eigentlich dazu da, dieses Wasser und alle darin enthaltenen Bestandteile „aufzusammeln“ und als Lymphe wieder in der Blutkreislauf zu bringen. Dies funktioniert bei uns nicht mehr richtig, Blut- und Lymphgefäße sind eingeengt und die Lymphbildung eingeschränkt. Das Hormon Östrogen sorgt dafür, dass sich Wasser in das Fettgewebe einlagert.

Bei Krampfadern ist das ähnlich. Bei der Therapie von Krampfadern ist das Ziel, den venösen Bluttransport zu unterstützen, um Wasseransammlungen zu vermeiden. Wie macht man das da? Bewegung, Hochlagern der Beine, Vermeidung von Hitze, Wechselduschen, Kompressionsstrümpfe.

Für mich war daher eine Möglichkeit: Schauen ob das, was bei Krampfadern hilft, nicht auch für Lipödeme gut sein könnte. Und so versuche ich, jeden Tag meine 10.000 Schritte zu erreichen, mit Kraftsport meine Muskeln zu kräftigen. Regelmäßige Wechselduschen, insbesondere nach dem Sport werden die Beine schön lange mit eiskaltem Wasser gekühlt und damit die Durchblutung gefördert.

Sobald ich das geplante Bewegungspensum nicht schaffe, beschweren sich auch die Beine, die Knöchel werden wieder dick und die Oberschenkel tun weh. Also: Mit Bewegung kann man die Lipödeme zwar nicht wegzaubern, aber man kann sicher die Wassereinlagerungen und damit die Schmerzen reduzieren. Man muss allerdings regelmäßig etwas dafür tun.

Lipödeme und Ernährung

In einer weiteren Theorie zur Entstehung von Lipödemen werden diese als Folge von Entzündungen im Körper genannt.

Nun bin ich ja bei der ketogenen Ernährung gelandet, allerdings ohne da die Verbindung zwischen Lipödemen und Ernährung gesucht zu haben – ich habe das hier alles erst viel später herausbekommen.

Der erste Weg in Richtung Keto/LCHF ging über Kokosöl, darauf stieß ich eigentlich bei der Suche nach einer Lösung für meine Schilddrüsenprobleme. Kokosöl werden ja entzündungshemmende Eigenschaften nachgesagt, und es ist inzwischen eines meiner Standard-Lebensmittel.

Inzwischen habe ich auch alle anderen Lebensmittel aus meiner Küche verbannt, denen man entzündungsfördernde Eigenschaften nachsagt. Süßigkeiten, Zucker, weißes Mehl, Wurst, Alkohol. Eier und tierische Fette gehören da eigentlich auch dazu, aber die esse ich noch. Sämtliche stärke- und glutenhaltige Lebensmittel habe ich für mich aus dem Essensplan gestrichen.

Dafür besitzen die Fasern von Ballaststoffen einen effektiven Entzündungsschutz, wie z.B. Leinsamen. Auch Salate und Gemüse, Omega 3 Fettsäuren, Magnesium und vieles mehr gelten als Entzündungshemmer.

Was kann man erreichen?

Zusammen mit der täglichen Bewegung, durchblutungsfördernden Maßnahmen und meiner ketogenen Ernährung konnte ich jedenfalls den Umfang der Oberschenkel bereits um mehrere Zentimeter reduzieren. Zur vielen Bewegung gehört auch viel trinken, denn: „Wasser verliert man, indem man Wasser trinkt„.

„Fett verliert man, indem man Fett isst.“

Eine Heilung für die Lipödeme soll wohl auch mit ketogener Ernährung nicht möglich sein, aber eine Verbesserung der Begleitumstände ist auf jeden Fall drin. Ich merke es bereits jetzt.

Es ist nicht einfach, konsequent dabei bleiben ist sehr wichtig. Vielleicht kann das ja auch ein Weg für Dich werden?

Liebe Grüße, Deine Karen

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Karen W.
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Karen W.

Bloggerin bei Ketogen Leben
Ich schreibe in meinem Blog über ketogene Ernährung und wie diese dabei hilft, trotz Lipödemen und Hashimoto gesund zu leben. Du findest hier interessante Informationen, Tipps, Erfahrungen und leckere Rezepte.
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4 Gedanken zu „Lipödeme – und nun?

  1. Christina sagt:

    Mal eine Frage zum. Lipödem und Kohlenhydrate: es geht doch eigentlich um das Gluten welches sich in Brot Nudeln etc befindet und sich nicht gut auswirkt auf das lipödem. Wie sieht das mit glutenfreiem Brot oder Nudeln aus?! Müsste doch eigentlich funktionieren wenn man das essen würde ?!
    LG Christina

    • Karen W. sagt:

      Für mich geht es dabei nicht nur um Gluten, sondern gänzlich um entzündungsfördernde Lebensmittel. Dazu gehören dann eben alle Getreidesorten, Hülsenfrüchte (und damit auch Soja) usw.
      Das Problem an solchen „Ersatznachbauten“ ist auch, dass es eben ein Ersatz ist, der auf lange Sicht frustriert. Zu oft sagt man sich dann „ach, ich würde mir jetzt sooo gerne mal wieder was richtiges gönnen“. Mein Ansatz ist daher eher, lieber komplett die Ernährung so umzustellen, dass man diesen Ersatz nicht mehr braucht, und trotzdem auf nichts verzichten muss.
      Liebe Grüße, Karen

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